Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien

Seminar rote Knöpfe – coole Köpfe

Am 24.08.2019 fand im Bürgerhaus Worms-Horchheim eine Fortbildung für Pflegeeltern zum Thema „Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern: rote Knöpfe – coole Köpfe“ statt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der PfAd (Pflege- und Adoptiveltern in Rheinland-Pfalz e.V.) und dem KiAP (Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien Worms e.V.). 30 Pflegeeltern waren anwesend, um sich zu informieren, warum Kinder verhaltensauffällig sind und wie man auf diese Kinder im Alltag eingeht und Konflikte löst. Die mehr als 30 Kinder und Pflegekinder, die vor Ort waren, wurden von den Vereinen betreut, um ein ungestörtes Lernklima zu schaffen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde schildern die Anwesenden alltägliche Momente im Leben mit den Plegekindern, in denen sie „rote Köpfe“ bekommen. Genannt wurden viele Aspekte, wie wörtliche und mimische Provokationen, die Zerstörung von Gegenständen sowie endloses Argumentieren. Schwierig sei es auch, wenn man sich selbst in den Kindern wieder erkenne und das Kind sich hilflos zeige.

Auf die geschilderten Punkte wurde im Laufe des Vortrags von Diplom-Psychologin Carola Hoffmann eingegangen und auch aufkommende Fragen wurden direkt beantwortet beziehungsweise diskutiert. Im Anschluss an den Vortrag am Nachmittag gab es dennoch eine offene Diskussionsrunde, bei der einzelne Fallbeispiele und Fragen diskutiert und praktische Hilfestellungen angeboten wurden.

Welche Verhaltensweisen gelten als auffällig?

Verhalten lässt sich dann als auffällig einstufen, wenn ein erhebliches, dauerhaftes und immer wieder auftretendes Missverhältnis zwischen den Normalansprüchen der Umwelt und dem individuellen Beitrag, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, vorliegt. {…} (Keller & Nowak, 1993, 356). Darunter fallen auch gezeigte Verhaltensweisen, durch die sich ein Kind selbst hemmt, behindert und sich Möglichkeiten nimmt. Auch bringt es sich auf diese Weise häufig in schwierige Situationen, aus denen es oft nicht mehr eigenständig herausfindet.

Welche Möglichkeiten zur Einflussnahme gibt es ?

Von großer Wichtigkeit ist vor allem eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind. Diese ist auch Voraussetzung dafür, dass Kinder lernen zu eigenen Fehlern stehen zu können, ohne dass ihre Welt zusammen bricht. Auf der anderen Seite sind Regeln und Grenzen im sozialen Miteinander notwendig und sollten immer unter Einbeziehung der Kinder gemeinsam festgelegt werden. Wichtig ist dann, diese konsequent umzusetzen, um den Kindern einen sicheren und festen Rahmen zu bieten. Vor allem aggressivem Verhalten sollte direkt entgegen getreten werden, da ein Erfolg durch aggressives Verhalten hier als großer Verstärker gilt!

Des weiteren kann man die eigene Vorbildfunktion nutzen und Werte vermitteln, begründen und vorleben, damit die Kinder Wege der friedlichen Konfliktlösung, Wertschätzung sowie Verlässlichkeit kennenlernen.

Wo liegen die Ursachen von Verhaltensstörungen? 

Bei den Ursachen sind vier zentrale Faktoren zu beachten, auf die gerade die Pflegeeltern oft leider keinen Einfluss haben können. Einer dieser Faktoren ist die individuelle Persönlichkeit, die ein Kind mitbringt. Manche Kinder sind einfach temperamentvoller als andere, manche sind ängstlicher als andere.

Die Herkunftsfamilie und das soziale Umfeld spielen ebenso eine Rolle. Probleme der leiblichen Eltern, wie Depressionen und Alkoholkrankheiten stellen zusätzliche Risikofaktoren dar. Außerdem können problematische Erziehungsstile (überbehütend vs vernachlässigend) und traumatische Erlebnisse zu der Entstehung von Verhaltensstörungen beitragen. Für ein Kind ist es zudem schwierig, wenn es die Ablehnung von anderen Erwachsenen und Gleichaltrigen spürt und sich nicht als selbstwirksam erlebt.

Wo liegen die Schutzfaktoren?

Wenn ein Kind sich jedoch als selbstwirksam erlebt und aus schwierigen Situationen eigenständig herausfindet, stellt dies wiederum einen Resilienzfaktor, einen Schutzfaktor, dar. Auf diese Weise kann ein Kind auch ein Gefühl von Eigenverantwortlichkeit entwickeln.

Weiterhin ist es sehr förderlich, wenn das Kind über eine sichere Bindung zu mindestens einer Person verfügt und eine positive Beziehung zu den Eltern hat, ein qualitativ hochwertiges Kommunikationsverhalten vorliegt und immer die Möglichkeit zum Ausdruck aller Gefühle besteht. Ganz wichtig ist dabei das aktive Zuhören durch die Bezugspersonen!

Manchmal sollte man aber auch die eigenen, eventuell nicht passenden Erwartungen unter die Lupe nehmen und sie auf das jeweilige Kind mit seiner gegeben Persönlichkeit und Ressourcen anpassen.

„Rote Knöpfe Coole Köpfe“ Nibelungen Kurier
Psych. Carola Hoffmann aus Saarbrücken informieren, warum Kinder verhaltensauffällig sind und bekamen Hilfestellungen, wie man auf diese Kinder eingehen kann. zum Artikel

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Stresswiderstand bei Kindern und Jugendlichen fördern