Medienkonsum und die Auswirkungen elektronischer Medien auf Kinder

Jeder kommt heutzutage immer früher mit den elektronischen Medien in Berührung. War es früher „nur“ das Fernsehen, so sind es mittlerweile Spielkonsolen, Smartphones, Tablets und das Internet, die hinzu kommen. Vieles wird den Eltern als „kindgerecht“ verkauft. Wahrnehmung von Medieninhalte und die damit einhergehende Reizüberflutung hat nachweislich Auswirkungen auf die Verarbeitung im Gehirn, auf die Lernkompetenz, das Verhalten und die Konzentration. Als weiterer Teil der Vortragsreihe der Elternschule im DRK Krankenhaus Saarlouis wurde am 10.09.2018 das Thema „Auswirkungen elektronischer Medien auf Kinder“ thematisiert. (Zum Artikel der Saarbrücker Zeitung.)
Eine hohe Teilnehmerzahl spiegelte die Brisanz des Themas wieder. Seminarteilnehmer erzählen vom wachsenden Einfluss des Spiels „Fortnite“ unter Schülern. Viele Eltern sind ratlos, wie sie mit der Situation umgehen sollen, denn dieses Spiel enthält viele Gewaltsequenzen. Einige Großeltern sind besorgt über den ausufernden Medienkonsum ihrer teilweise noch sehr jungen Enkelkinder. Anhand dieser Wortmeldungen wurde schnell deutlich, dass sich der Medienkonsum in der Kindheit in den letzten Jahrzenten stark erweitert hat, diese zunehmende Präsenz der Medien von vielen Erziehungsberichtigten mit Sorge betrachtet wird, sie aber auch ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens schon im frühen Kindesalter darstellt und dementsprechend ein angemessener Umgang damit stattfinden muss.

Doch wie sieht der momentane Medienkonsum im Kindesalter eigentlich aus?

Aktuelle Zahlen zeigen, dass 45% der Kinder im Alter von 3 bis 13 Jahren einen eigenen Fernseher im Kinderzimmer haben. Durchschnittlich 118 Minuten pro Tag Medien konsumieren.  Im Vergleich dazu schauen Kinder, die keinen eigenen Fernseher besitzen durchschnittlich 80 Minuten pro Tag. Trotz dieser hohen Fernsehzeit, kann sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen zukünftig von einer weiteren Zunahme des täglichen Fernsehkonsums ausgegangen werden.

Noch erschreckender ist eine Betrachtung der Nutzungsdauer des Fernsehers im Vergleich zur Verweildauer vor diesem. Nutzungsdauer ist die Zeit, die das Kind aktiv mit fernsehen verbringt. Die Verweildauer bezeichnet die Zeit, in der der Fernseher im Hintergrund läuft und das Kind seine Aufmerksamkeit nicht aktiv auf ihn richtet. Bei 41% der 3-13 Jahre alten Kinder konnte eine tägliche Verweildauer vor dem Fernseher von mehr als 4 Stunden festgestellt werden. Die tatsächliche Nutzungsdauer beträgt davon nur etwa 100 Minuten.

Warum kann Medienkonsum gefährlich werden?

Bisher sind sich Experten uneinig darin, wie Fernsehkonsum schadet, dass dieser schadet ist allerdings unbestritten. Es kann ein Zusammenhang zwischen hohem Fernsehkonsum im Kleinkindalter und gestörter Entwicklung im Grundschulalter nachgewiesen werden. Kinder, die schon im Kleinkindalter viel fernsehen leiden unter einer Verflachung der Wahrnehmung und unter Schwierigkeiten, das Gesehene von der Wirklichkeit zu trennen. Darüber hinaus nehmen Kinder emotionale Eindrücke auf sobald sie sich in einem Raum befinden, in dem ein Fernseher läuft, auch wenn sie selbst nicht aktiv hinsehen. Alpträume entstehen durch Fernsehinhalten die Erwachsene konsumieren und für Kleinkinder nicht geeignet sind. Im Grundschulalter weisen Vielseherkinder mit einem Medienkonsum von mehr als 4 Stunden täglich, nachweislich eine generelle Leistungsschwäche, verstärkte Aggressionen und eine schlechtere Leseleistung auf.

Neben Entwicklungsveränderungen lassen sich auch neurologische Veränderungen feststellen.

Durch die ständige visuelle Verarbeitung von bewegtem Bildmaterial kommt es zu einer Veränderung der Gewichtung beider Hirnhälften. Die rechte Hirnhälfte, die für die Verarbeitung visueller Inhalte zuständig ist, wird gefördert und gestärkt. Die linke Hirnhälfte, zuständig für Sprache und abstraktes Denken, verkümmert. Forscher sprechen davon, dass das Gehirn durch einen verstärkten Medienkonsum umgeprägt wird, wodurch eine bessere Verarbeitung visueller Inhalte stattfinden kann. Beruhigend für alle Anwesenden war der Hinweis darauf, dass alle Veränderungen durch eine Reizarmut reversibel seien.

Die besondere Gefahr durch gewaltverherrlichende Inhalte der konsumierten Medien ist gegeben wenn diese Inhalte auf Konsumenten mit  genereller  Gewaltakzeptanz oder einem gewaltakzeptierenden Umfeld treffen. Hier gilt der Ausspruch: „Wer Gewaltfilme sieht, lernt Gewalt“. Neben der Vermeidung von Gewalt darstellenden Inhalte muss zusätzlich der Fokus auf eine Vermeidung von Gewaltakzeptanz im Leben des Konsumenten gelegt werden.

3 Tipps im Bezug auf den Umgang mit Medien

  1. Einführung von festen Medienzeiten, um den Konsum zu begrenzen. Der Fokus liegt hierbei deutlich auf der konsequenten Einhaltung dieser Zeiten.
  2. Junge Kinder sollen so lange wie möglich ganz ohne Konsum aufwachsen
  3. Inhalte der konsumierten Medien sollten altersgemäß und den Erziehungsberechtigten bekannt sein und ggf. mit den Kindern besprochen werden

In der Feedbackrunde zeigten sich die Seminarteilnehmer aufgrund der aufgezeigten negativen Konsequenzen durch zuviel Medienkonsum besorgt dennoch herrschte gleichzeitig Erleichterung nach dem Elternabend, dass viele der negativen Folgen rückgängig gemacht werden können. Außerdem wurde das Thema der Konsequenz in der Erziehung aufgegriffen und schwierige Fälle angesprochen. Viele der  Anwesenden sind zufrieden mit neuen Ideen zur Handhabung des Medienkonsums ihrer Kinder nach Hause gegangen.

Vortrag 10.09.2018 DRK Saarlouis von Dipl. Psych. Carola Hoffmann, Erfahrungsbericht Elternabend geschrieben von Christine Stückemann BSc. Psychologie Universität Saarbrücken

Kontakt

Die Psychologische Praxis

Nehmen Sie noch heute Kontakt zu uns auf und vereinbaren Sie einen persönlichen Termin. In unserem Veranstaltungskalender können Sie sich über aktuelle Termine informieren.

Beginnen Sie mit der Eingabe und drücken Sie Enter, um zu suchen

Elternabend Grenzen setzenHelikopter-Eltern