Was macht ein gutes familienrechtspsychologisches Gutachten aus?

Ein familienrechtspsychologisches Gutachten wird in der Regel von einem Familiengericht in Auftrag gegeben, um eine Entscheidung in einem familiären Konflikt herbeizuführen. Dazu wird die Hilfe eines Sachverständigen benötigt, meistens weitergebildete Psychologen. Es sollten nur Psychologen mit dem Auftrag betreut werden, die eine familienrechtspsychologische Ausbildung absolviert haben. Die Aufgaben eines familienrechtspsychologischen Gutachtens umfassen vor allem Sorgerecht, Umgangsrecht, Erziehungsfähigkeit eines oder beider Elternteile, Kindeswohl oder Bedarf einer Hilfe in der Erziehung. Die Erstellung eines Gutachtens dauert im Schnitt zwischen drei und sechs Monate. Zum Wohle des Kindes wird das Gutachten möglichst schnell fertig gestellt (Beschleunigungsgebot).

Gutachten als diagnostischer Entscheidungsprozess

Ein familienrechtspsychologisches Gutachten ist im Grunde ein diagnostischer Entscheidungsprozess, der durch den Sachverständigen vollzogen wird, um die ihm gestellten Fragen zu beantworten. Im ersten Schritt des Entscheidungsprozesses wird aus der juristischen Fragestellung eine psychologische Fragestellung abgeleitet und anhand der Aktenanalyse und dieser Fragen ein geeigneter Untersuchungsplan erstellt. Dieser kann folgende Faktoren beinhalten:

  • Die Analyse der Gerichtsakten
  • Die allgemeine Exploration der Beteiligen (meist Kindeseltern und Kind(er))
    • Biographische Anamnese/Familiäre Geschichte
    • Beziehung zum Kind
    • Psychometrische Tests
  • Interaktionsbeobachtungen zwischen Kind(ern) und Eltern
  • Hausbesuche
  • Fachgespräche

Nach der vollständigen Analyse aller Teilaspekte kommt der Sachverständige mit Hilfe der Exploration, der verschiedenen psychodiagnostischer Tests und der Beobachtungen zur Beantwortung der psychologischen Fragestellungen.

qualitative Vorgehensweisen in einem Gutachten

In einer Studie der Fernuni Hagen von 2014 mit der Fragestellung, inwieweit familienrechtspsychologische Gutachten den wissenschaftlichen Mindeststandards genügen, ergab sich folgendes Ergebnis:

  • Aus den juristischen Fragestellungen müssen psychologische Arbeitshypothesen oder Fragestellungen entwickelt werden und dann wird der Untersuchungsplan aufgestellt.
  • Das Gutachten muss auch für fachfremde Personen transparent und verständlich sein
  • Fachliche Begriffe sollten präzisiert und erklärt werden
  • Die Auswahl der diagnostischen Verfahren zur Datenerhebung müssen anhand der psychologischen Fragestellung ausgewählt werden und methodisch, also anhand von Gütekriterien begründet sein
  • Alle genutzten Verfahren sollten erklärt und die Manuale im Anhang zu finden sein
  • Die Datenerhebung muss über valide psychologische Verfahren geschehen, die statistisch abgesichert sind, ebenso sollte ein Konfidenzintervall angegeben werden
  • Über gegebene statistische Einschränkungen muss im Gutachten informiert werden
  • Die Auswertung und Interpretation von Daten müssen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren

Es stellte sich ebenso heraus, dass Psychologen, die zum Rechtspsychologen weitergebildet wurden, signifikant bessere Gutachten erstellten, als ihre nicht in diesem Bereich weitergebildeten Kollegen. Die Approbation stellt der Untersuchung gemäß kein Gütemerkmal in diesem Fall dar.

Am Ende des Gutachtens wird aufgrund der beschriebenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Maßstäben und der Beantwortung der psychologischen Fragestellung heraus eine Empfehlung (Beantwortung der Fragestellung) an das Gericht abgegeben.

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